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Es hat „Klick“ gemacht

Viel Spaß beim Lesen des Zeitungsartikels über uns aus der Neuen Westfälischen vom 11.11.2020! (den ganzen Artikel mit Bildern können Sie auch über das PDF Zeichen öffnen)

Wem beim Zusammenschrauben von Ikea-Möbeln schon mal die Hand lahm geworden ist, wird sich über eine Erfindung der Firma Koch freuen: Dank Ultraschallschweißen wird einfach geklickt statt geschraubt.

von Monika Dütmeyer

Hier noch eine Schraube und da auch noch eine – wenn man bei Ikea ein Möbelstück gekauft hat, dann kann das Zusammenschrauben ganz schön anstrengend werden. Gerade wenn man nicht zur Gattung des geübten Handwerkers vor dem Herrn gehört. Für viele bereits heute im Handel befindlichen Ikea- Möbel hat die Gerhard Koch Maschinenfabrik GmbH & Co. KG mit Sitz in Leopoldshöhe eine echte Erleichterung maßgeblich mitentwickelt: Geschäftsführerin Kerstin Koch-Ugolini präsentiert vor der Webcam in der Videokonferenz, wie man Möbelteile damit ganz einfach zusammenklickt. Und übrigens auch wieder auseinander bekommt. „Das geht ganz einfach“, sagt sie und lacht. Dank einer ganz besonderen Technik mit Klickdübeln. Die Dübel haben oben eine rundliche Wellenform – und schauen ein bisschen wie ein rundlicher Tannenbaum im Daumennagelformat aus. Sie lassen sich mit einem Klick in das exakt dazu passende Bohrloch ins Ziel-Möbelteil stecken – und auch genauso leicht wieder entfernen.

„Es ist ganz wichtig, dass die Toleranzen eingehalten werden, so dass der Dübel in das Gegenstück, das sogenannte, Key-Hole‘, passt.“ Genau wie ein Schlüssel in ein Schlüsselloch passen muss. Möglich macht diese einfache Art des Montierens, die Ikea „easy assembly“ nennt, ein modernes Ultraschallschweißverfahren, bei dem sich alles um die welligen Dübel dreht. „Sie dürfen sich vorn nicht verformen, damit sie in ihr Schlüsselloch‘ passen, und müssen hinten fest mit dem Möbelteil verschweißt sein“, erklärt die Geschäftsführerin.

Genau das macht ein Ultraschallschweißverfahren möglich. „Das funktioniert über gezielt gesteuerte Ultraschall- Schwingungen.“ Aber klingt so eine Idee beim ersten Hören nicht total abgefahren? „Ein bisschen Mut gehört schon dazu“, sagt Kerstin Koch-Ugolini, die das jüngste Kind von Gerhard Koch ist, der das Unternehmen 1958 gründete. Aber es sei auch ein Risiko, sich nichts zu trauen. „Es ist wichtig, Neuentwicklungen zeitnah zu erkennen, oft ist am Ende derjenige der Gewinner, der etwas zuerst entwickelt hat.“ Deshalb lege das Unternehmen großen Wert auf Forschung und Entwicklung. So ist es auch nicht die erste Entwicklung, die das Familienunternehmen gemeinsam mit Ikea umgesetzt hat. „Wer zu Hause ein Billy-Regal hat, der besitzt ziemlich sicher ein mit unseren Maschinen verarbeitetes Möbelstück“, sagt Ann-Kathrin Koch. Sie ist für das Marketing des Unternehmens verantwortlich und die Nichte von Kerstin Koch-Ugolini.

Ikea ist nicht der einzige namhafte Kunde des Betriebes, auch Poco steht beispielsweise auf der Liste, genauso wie die Küchenhersteller Häcker und Nobilia aus der Region. Der Umsatz beträgt jährlich rund 50 Millionen Euro, der Exportanteil liegt bei 80 Prozent, ein großer Teil davon geht nach Europa. Koch ist weltweit mit einem Händlernetz vertreten und mit einer Niederlassung in Atlanta in den USA präsent. Dort arbeiten 18 der insgesamt rund 180 Mitarbeiter, von denen sich im Moment ungewöhnlich viele im Werk befinden. „Normalerweise reisen unsere Techniker häufig, zum Beispiel um Maschinen in Betrieb zu nehmen“, sagt Koch-Ugolini. Aufgrund von den mit Corona verbundenen weltweiten Reiseeinschränkungen sei dies im Moment eine Herausforderung. „Wir informieren uns ständig und reisen, wann wir können.“ So seien in diesem Jahr Inbetriebnahmen auch schon per Videokonferenz erfolgt. Geschadet habe Corona dem Unternehmen wirtschaftlich gesehen aber nicht.

„Wir konnten auf Kurzarbeit verzichten und profitieren von den langfristigen Planungen der Möbelbranche. Und auch ein bisschen von dem Trend, das Zuhause gerade jetzt schön gestalten zu wollen.“ Dass es bei den Kochs zu Hause – oder besser gesagt in der Familie – so viele Familienmitglieder gibt, die sich dort in der zweiten und mit Ann-Kathrin Koch auch schon in der dritten Generation engagieren, dafür hat die Geschäftsführerin eine Erklärung. „Ich glaube, das liegt an einem Grundgedanken meines Vaters, den wir bis heute beibehalten haben“, sagt sie. Er lautet: „Man kann ruhig diskutieren und muss nicht einer Meinung sein. Aber wenn eine Entscheidung getroffen ist, dann müssen alle fest dahinter stehen.“ Auch Ann-Kathrin Koch weiß, warum sie im Familienunternehmen arbeiten möchte. „Es geht auch um Spaß an der Arbeit und eine positive Stimmung. Man verbringt hier einfach viel Zeit und das soll auch Freude machen.“

Die Sache mit dem Familienunternehmen spiegele sich übrigens nicht nur in der Gründerfamilie: „Auch bei unseren Mitarbeitern ist es keine Seltenheit, wenn auch die Eltern oder Verwandte im Betrieb arbeiten. Das geht dann oft über Empfehlungen.“ Eine wahrscheinlich damals noch unbewusste Empfehlung oder besser gesagt Erfahrung hat auch den Berufswunsch von Kerstin Koch-Ugolini geprägt. „Ich war als Kind schon oft mit auf Messen. War fasziniert von den Menschen aus aller Welt und den unterschiedlichen Kulturen.“ Vor mehr als 30 Jahren habe sie zunächst eine kaufmännische Ausbildung gemacht und sich über Neugier und Wissensdurst das technische Wissen angeeignet, das sie für ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin benötigt. Eine klare Aufgabenverteilung sei ein weiterer wichtiger Baustein für eine positive Geschäftsentwicklung und den Familienfrieden. So sei Christian Koch für den Vertrieb verantwortlich, Kristof Koch für Produktion, Forschung und Entwicklung und Rüdiger Koch, der lange Jahre die Geschäfte geführt hat, hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und sei heute beratend tätig. Prokurist Holger Maaß ist für Finanzen und Organisation zuständig. Faszinierend sei für Kerstin-Koch Ugolini bis heute die Arbeit mit Holz: „Ich liebe den Geruch von Holz. Es lebt und bewegt sich. Und dieser traditionelle Werkstoff gewinnt mit dem Nachhaltigkeitsgedanken nochmals eine ganz neue Bedeutung.

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